Zone: BRD
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Wir schreiben das Jahr 1923 – der junge Sergeant Owen Arthur Aisher kehrt von Scotland Yard durch die neblige Straßen Südenglands zu seinem Vater zurück. Die Erfindung, die sein alter Herr im präsentiert, sei geradezu „bloody useless“. Doch auf diesem Gerät gründet der Erfolg des Unternehmens Marley.
In den frühen 1920er Jahren produzierte The Marley Joinery Works Türen und Fenster
1924 Owen Aisher (Senior) beginnt Ziegelproduktion als The Marley Tile Works in Harrietsham, Kent
1926/7 Gründung der Firma Marley Tile Company
1928 neue Standorte z.B. beim Sandbruch Leighton Buzzard
1934/5 Umwandlung zur Aktiengesellschaft
1935 Fabrik in Riverhead, Sevenoaks (wurde später Hauptsitz) und weitere neue Standorte
1939-1945 Betonprodukte für Anti-Hitler-Koalition
1945 Owen Arthur Aisher (Junior) wird Vorstand
1948 Inspiration aus USA, Herstellung von Asphaltfliesen
1952 Einführung von Vinylbodenfliesen
1953 Niederlassung Deutschland
1960 Eröffnung erster Verkaufsladen in UK
1961 Verkaufsläden in Kiel und Braunschweig
1974 Namensänderung in Marley
Anfang 1980er zehn Betondachziegelwerke in UK
1985 trat der letzte Aisher (Jack Edward) als Vorsitzender zurück
Das Unternehmen Marley entstand aus der Not heraus, Häuser nach dem ersten Weltkrieg wiederaufzubauen. Ton und Lehm fehlten, doch Sand gab es im britischen Boden viel. Eine Presse zur Herstellung von Sandmischfliesen ermöglichte dem Marley Gründer Owen Aisher (Senior) die regionale Produktion. Zu den ersten Produkten gehörten Türen, Fenster und Betonziegel. Im Verlauf der Firmengeschichte wurde das Sortiment u.a. um Bodenbeläge, Dachrinnen, Fallttüren und Lüftungstechnik erweitert.
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O.A. Aisher am Förderband
Die Baustofffirma Marley Deutschland GmbH wurde 1953 als britische Niederlassung eröffnet. Seit 2003 gehört das ehemalige Familienunternehmen zur internationalen Aliaxis Gruppe mit Sitz in Belgien. Am Werksgelände in Wunstorf bei Hannover beschäftigt Marley mehr als 400 festangestellte Mitarbeiter (Stand 2017). Der deutsche Unternehmenssitz entspricht mit 126.000 m2 der Fläche von fast 18 Fußballfeldern.
Das ist Marley
Produkte für Neubau und Renovierung
Lieferung an Haus- und Wohnungseigentümer
Über 2.000 Artikel im Sortiment, bekannteste Produkte: Dachrinnen und Rohre
z.T. Made in Germany
Vertrieb im deutschsprachigen Raum über ca. 4.800 Baumärkte,
spezialisierte Händler und Online Vertriebspartner
mehr als 100.000 Aufträge pro Jahr
Lieferung in 32 Länder
hochwertigen Rohstoffe
Prüfung auf einer Bewitterungsstation oder im Labor
Lüftung ohne die Fenster zu öffnen (Lärm von der Staße)
Professionelle Lüftungstechnik wird seit 1981 im Marley Sortiment geführt. 2014 kam ein innovativer Frischluft Wärmetauscher in die Produktfamilie. Der Fokus von Marley liegt seit der Gründung auf dem DIY-Gedanken. Das „selber machen“ soll Spaß machen – und machbar sein. Das Unternehmen ist darauf ausgerichtet, für jedes Projekt bestmögliche Artikel zur Verfügung zu stellen.
Vorteile Marley Frischluft Wärmetauscher
Rund 70 Prozent des Energieverbrauchs im privaten Wohnraum entfällt auf das Heizen. Steigende Energiepreise und die Auswirkung der CO2-bedingten Klimaveränderung erfordern dringend neue Lösungen.
Das integrierte Keramikelement im MEnV180 Frischluft Wärmetauscher von Marley ermöglicht bis zu 85% Wärmerückgewinnung und senkt Ihre Heizkosten.
Owen Aisher (Senior) wurde 1876 in Godshil auf der Isle of Wight (Südengland) geboren. Mit nur zehn Jahren wurde er zum Vollwaisen. Er ging früh von der Schule ab und genoss wenig formale Bildung. Doch der Junge war wissbegierig und lernte von seiner Umgebung. Mit zwölf Jahren arbeitete er als Schmied, später verputzte er gelegentlich Häuser und arbeitete als Dachdecker. Owens älterer Bruder war Putzergeselle und zeigte ihm einige Kniffe. Als junger Mann versuchte sich Owen in mehreren Berufen, ging zum Militär, betrieb Landwirtschaft. 1920 zog er mit Frau und Familie nach Harrietsham in der Grafschaft Kent. Durch Kooperation mit einem Kapitalgeber gründete er im selben Jahr seinen eigenen Betrieb - in einem Schuppen. Owen wurde wieder Hausbauer, nach dem ersten Weltkrieg eine gefragte Tätigkeit. Türen und Fenster aus Aishers Herstellung waren gut gelungen und eigneten sich zum Verkauf an Heimkehrer aus den Kolonien. Der Name „Marley Joinery Works“ begründet sich wahrscheinlich auf einen Hof- oder Straßennamen der Gegend.
Der Sohn, Owen Arthur Aisher ahnte damals nicht, dass er eines Tages Millionär und sogar Ritter werden würde. Er wurde im verheißungsvollen Jahr 1900 geboren. Nach der Schulzeit wurde er Streifenpolizist, später Sergeant und ging mit zwanzig Jahren zu Scotland Yard. Bei Heimaturlaub half er seinem Vater, Türen und Fenster zum Verkauf herzustellen. Als Herr Aisher Senior im Jahr 1923 eine Ziegelpresse kaufte, fand der Sohn den Betrieb noch wenig ausgereift. Um hochwertige Häuser zu bauen, wurden bis dato Tonpfannen und walisische Schiefer benutzt. Doch zu dem Zeitpunkt herrschte ein Mangel an Dachziegeln aus Lehm (Sand und Ton) und die Schiefersteinbrüche hatten Ihre goldenen Jahre hinter sich. Sand spielte daraufhin eine wichtige Rolle in der Herstellung von Dachziegeln und Fliesen. Neu gebaute Häuser wurden ab den 1920 Jahren mit Sand- und Zementfliesen gedeckt.
Einen atmosphärischen Eindruck von einem Sandbruch um 1920 gewinnt man von dem Gemälde Quarry vom Künstler Kent Rockwell.
Mit der Winget-Presse ließen sich die Betondachsteine aus regional verfügbarem Sand, Kies und Zement herstellen. Den Vorteil erkannte Owen Arthur rasch, er verließ 1924 die Polizeibehörde und stieg bei seinem Vater ins Baugeschäft ein. Die Herren Aisher starteten Ihre Beton-Ziegelproduktion genau zum richtigen Zeitpunkt, kurz darauf setzte ein Do-it-Yourself Boom ein. Der „Supply and Fix“ Service des Betriebes Marley lieferte die Ziegel an andere Bauherren und Marley Mitarbeiter deckten das Dach selbst ein.
1926 gründete Aisher Senior die Marley Tile Company zur Herstellung von Dachziegeln. Am 18. Januar 1927 wurde die Gründungsurkunde ausgestellt. Herr Aisher Senior arbeitete im Familienbetrieb zusammen mit seinem Sohn Owen Arthur und weiteren Angehörigen (Jack Edward Aisher). 1928 wurde eine Produktionsstätte in Leighton Buzzard, nordwestlich von London gegründet, da es dort einen großen Steinbruch mit geeignetem scharfen Sand gab. Viele Hersteller von Fliesen und Dachpfannen zogen in die Region, um vom leichten Zugang zu den Gruben und dem Rohstoff zu profitieren.
In den frühen 1930er Jahren entwickelte O.A. Aisher mit seinem Vater eine Methode zur Herstellung von Betondachsteinen, die sie im Gebiet von Kent produzierten und verkauften. Sand, Zement, Farbe und Wasser wurden gemischt, in Paletten gelegt, gehackt, getrocknet und mit einem Förderband gestapelt. Marley Ltd wurde 1934 gegründet, Die Marley Tile Compay begann 1935 in Riverhead, Sevenoaks. Dieser Standort wurde später der Hauptsitz für die Firma, gefolgt von Fabriken in Aveley, Essex und Burton-on-Trent. Dachziegel blieben auch in den folgenden Jahren der Produktdiversifizierung und Expansion ein Kernelement des Unternehmens. Die vier grundlegenden Fliesendesigns waren Bold Rolle, Mendip, Wessex und Modern.
Während des Zweiten Weltkrieges produzierte Marley Bauteile für die Mulberry Häfen im Süden Englands. Diese Häfen waren am 6. Juni 1944 entscheidend für die Landung alliierter Truppen in der Normandie. Nach Kriegsende übernahm Owen Aisher (Junior) den Vorsitz über die Marley Baustoffunternehmen von seinem Vater. Er blieb von 1945 bis 1982 für 37 Jahre Vorsitzender, stellte die Produktionskapazität für Dachziegel wieder her und startete die Produktion von Kunststoffen für die Bauindustrie. Die Herstellung von Asphaltfliesen begann 1948 nach einem Konzept, dass er bei Reisen in den USA gesehen hatte.
Marley eröffnete ab 1953 mehrere Niederlassungen weltweit. Das erste Werk außerhalb des Vereinten Königreiches wurde in Deutschland eröffnet, damals mit 13 Mitarbeitern. Zu Deutschland bestanden vor dem Weltkrieg bereits Handelsbeziehung für Farben. Dies erleichterte den Start für Marley im Ausland. 1960 wurde das erste Geschäft in UK eröffnet, 18 Monate später in Deutschland. Südafrika, Finnland, Österreich, Italien, Neuseeland und Brasilien folgten.
Owen Arthur Aisher war Vollblut-Unternehmer und ein begeisterter Segler. Im Jahr 1957 erstand er die Yacht EVAINE. Das gute Stück war 1936 erbaut und hatte die Gesamtlänge von 21,3 Metern. Er plante damit 1958 den ersten America's Cup nach dem Zweiten Weltkrieg zu gewinnen.
In der Biografie des Seglers Des Sleightholme „A Funny Old Life“ von 2001, werden mehrere Begegnungen mit dem „Marley Millionair“ geschildert. Mr. Sleightholme war als PR Berater und Kundschafter für Herrn Aisher Junior tätig. Zur Vorbereitung auf den America's Cup wurde er mit einer Spionagekamera in die USA geschickt und berichtete gewissenhaft über alles was er rausfinden konnte, sogar über das Sexleben der US Segler.
Mr. Sleightholme bezeichnet Owen Arthur Aisher als „Opportunisten der Vision“. Er konnte aus allem einen Vorteil machen und hörte gedanklich nie auf zu arbeiten. Zweimal winkte er Mr. Sleightholme bei Empfängen zu sich: „Sieh dir diese Bodenbeläge an!“ rief er strahlend. „Bring sofort eine Probe davon in die Fabrik.“ Mr. Sleightholme musste sofort das Hauspersonal aufsuchen und ein paar Dollar springen lassen. Und wie wir wissen, wurden die Fliesenideen aus den USA ein guter Erfolg.
Als die Hula-Hoop Hysterie Amerika unsicher machte, griff Aisher zum Telefon und rief in der Fabrik an: „Speichern Sie alle Reste von 25-mm-Schläuchen, schweißen Sie sie in 70 cm-Kreise, lagern Sie sie und warten Sie.“ Die Hula-Hoop-Reifen wurden 1954 in der deutschen Fabrik produziert. Ein paar Wochen später räumte Marley den europäischen Markt auf.
Doch Aisher war laut Mr. Sleightholme ein erfindungsreicher, aber kein einfacher Boss.
Der Assistent kaufte einmal auf eigene Faust ein paar kleine Schlüsselanhänger aus den USA als Souvenirs für Aishers Hauspersonal in England. Als er seinem Chef die bescheidene Rechnung übergab, polterte dieser los. „Du bezahlst das“ schnappte er, „ich habe das nie autorisiert“. Sleightholmes Reaktion darauf „Ich ging ärmer von der Arbeit nach Hause als ich gekommen war, doch um einiges weiser“ (I flew home a bit poorer but wiser).
Königin Elisabeth II. hatte eine andere Sicht auf Owen Arthur Aisher. Zu ihren Geburtstags-Feierlichkeiten wurden 1981 besondere Bürger des Commonwealth hervorgehoben. Sir Owen Arthur Aisher wurde feierlich zum Ritter (Knight Bachelor) geschlagen. Er verstarb 1993 mit 93 Jahren im Süden Englands.
Quellen:
Mit freundlicher Unterstützung von Marley Deutschland GmbH
http://www.independent.co.uk/news/people/obituary-sir-owen-aisher-1508247.html
https://books.google.de/books?id=2UjCAwAAQBAJ&pg=PA127&lpg=PA127&dq=Marley+Owen+Aisher&source=bl&ots=IioG-05mF7&sig=xWYyqasJBK73lMu98hR-A1LfytY&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiQr9706MXXAhXLjKQKHREPBPsQ6AEIcjAR#v=onepage&q=Marley%20Owen%20Aisher&f=false
http://www.12mrclass.com/yachts/detail/273-itemId.511707058.html
http://www.sevenoakshistory.org.uk/Sevenoaks%20An%20Historical%20Dictionary.pdf
http://thesandmuseum.org/uses/construction.html
http://www.bbc.co.uk/history/domesday/dblock/GB-408000-555000/page/4
Historische Fotos:
http://www.npg.org.uk/collections/search/portrait/mw108861/Sir-Owen-Arthur-Aisher
http://www.alamy.com/stock-photo-businessmen-visit-south-africa-windsor-castle-liner-southampton-108562303.html
http://www.kentonline.co.uk/deal/news/jack-aisher-memorial-service-a50109/
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