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Stoßdämpfer aus Pappe – unser Verpackungskonzept zwischen Transportschutz und Umweltschutz

10 Jul, 2025

Stoßdämpfer aus Pappe – unser Verpackungskonzept zwischen Transportschutz und Umweltschutz


Unsere Reklamationsquote aufgrund von Transportschäden liegt seit Jahren unter einem Prozent. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Verpackungskonzepts, das drei Ziele miteinander verbindet:

  1. Maximaler Produktschutz – damit die Technik unversehrt bleibt.

  2. Ressourcenschonung – jeder Karton soll so wenig Neumaterial wie möglich verbrauchen.

  3. Einfache Entsorgung – am Ende soll alles bequem in die Papiertonne oder den gelben Sack passen, ohne Sortieraufwand für Dich.

Im Folgenden zeigen wir transparent, wie genau wir das anstellen, warum manche Pakete einen „gebrauchten“ Look haben und in welchen Bereichen wir ständig weiter optimieren.


1 Warum trotz versandfähiger Originalverpackung oft eine Umverpackung nötig ist

Hersteller investieren viel Mühe in stoßfeste Kartons, geformte Papppolster und Folienbeutel. Doch selbst die beste Originalverpackung stößt an Grenzen, sobald ein Paket mehrfach umgeschlagen, in Förderanlagen beschleunigt oder in Hochregalen bis unter die Decke gestapelt wird. Unsere zusätzliche Versandhülle übernimmt deshalb mehrere Aufgaben gleichzeitig:

  • Stoßpuffer bei Extrembelastung: Paketzentren erzeugen kurzzeitig Beschleunigungen von über 50 g. Eine zweite Kartonschicht verteilt diese Kräfte besser.

  • Schutz vor Feuchtigkeit: In Herbst und Winter reicht ein Schauer auf dem Zustellwagen, um eine alleinstehende Originalverpackung aufzuweichen. Die Versandhülle hält Regen ab.

  • Diebstahlprävention: Eine neutrale Außenhülle verrät nicht sofort, dass ein hochwertiger Ventilator oder eine Designerleuchte im Karton steckt.

  • Wiederverkaufswert bei Widerruf: Kratzt der Paketaufkleber die bunte Originalverpackung an oder ist das Sichtfenster eingerissen, wird aus Neuware schnell B-Ware. Unsere Versandhülle fängt diese Beschädigungen ab.

Dass wir damit Erfolg haben, zeigt unsere Statistik: Von zehntausenden Paketen pro Jahr erreichen weniger als ein Prozent unsere Kundschaft mit nennenswerten Beschädigungen.

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Recyclingkreislauf & deutsches Verpackungsgesetz 
Deutschland gilt als Recyclingweltmeister bei Papier und Karton. Möglich macht das das Verpackungsgesetz (LUCID-Register, duale Systeme), das jeden Händler verpflichtet, die von ihm in Umlauf gebrachten Verpackungsmengen zu lizenzieren. So finanzieren wir alle gemeinsam das Sammeln, Sortieren und Aufbereiten. Eine Papiertonne voll Versandkartons landet zunächst in einer Papierfabrik, wo Metalle und Folien ausgefiltert, die Fasern eingeweicht und zu einem Faserbrei verarbeitet werden. Danach entstehen Presspappen, die wieder zu Wellpappe werden. Jede Faser lässt sich bis zu fünfmal recyceln, bevor sie zu kurz wird und als Energieholz ersetzt werden muss. Aus einer Tonne Altpapier entstehen auf diesem Weg knapp 900 Kilogramm neue Wellpappe – mit rund 60 Prozent weniger Energie- und Wasserverbrauch als bei Frischfasern. Damit dieser Kreislauf funktioniert, müssen Kartons sortenrein sein: Mischverpackungen aus Karton, Kunststofffenster oder Metallklammern stören den Prozess. Darum setzen wir konsequent auf Monomaterialien: Pappe, Papierklebeband und, wo unvermeidlich, sortenreine Folie.



2 Unsere Verpackungspraxis im Detail


2.1 Wellpappen-Wickel mit Papierklebeband

Für gut die Hälfte aller Aufträge genügt ein flexibler „Wickel“ – zwei Lagen Rollenwellpappe, diagonal um die Originalverpackung geschlungen und mit gummiertem Papierklebeband gesichert. Die Zwischenräume an den Schmalseiten füllen wir mit Streifen desselben Materials. So entsteht ein vollständiger Stoßdämpfer, der zu 100 Prozent in die Papiertonne darf. Da die Wellpappe exakt zugeschnitten wird, benötigen wir kein zusätzliches Füllmaterial. 

2.2 Sammelkartons – zweites Leben für robuste Umkartons

Bei größeren Bestellungen oder besonders schweren Geräten nutzen wir Sammelkartons, die bereits in unserer Waren­eingangs­logistik eingesetzt wurden. Das können Umverpackungen von Lieferanten oder Kartons sein, in denen mehrere Einzelverpackungen (früher „Masterpacks“ genannt) ankamen. Statt sie sofort zu entsorgen, prüfen wir Stabilität (Stauchwert, keine Risse) und geben ihnen ein zweites oder drittes Leben. Vielleicht sieht der Karton nicht mehr wie aus dem Katalog aus – aber er erfüllt seinen Zweck und spart Neumaterial.

2.3 Polster aus Pappschredder und Stretchfolien-Second-Life

Seit Jahren betreiben wir einen eigenen Pappschredder, der Verschnitt und unbrauchbare Versandhüllen in gitterartige Polstermatten verwandelt. Diese ersetzen Luftpolsterkissen aus Neu­kunststoff. Für Hohlräume zwischen mehreren Artikeln verwenden wir zudem Stretchfolie, die bei Waren­lieferungen anfällt. Statt sie wegzuwerfen, rollen wir sie locker zusammen und nutzen sie als weiches Stopfmaterial. Damit bleibt die Folie im Kreislauf, ohne zusätzliche Ressourcen zu beanspruchen.

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Post-Consumer-Rezyklat: unser 97-Prozent-Pilot
Kunststoffe sind in der Logistik manchmal unvermeidbar, etwa zum Fixieren großer Kartons auf Paletten. Doch klassische Stretchfolie besteht aus reinem Polyethylen-Neugranulat – hergestellt aus Rohöl. Unser aktuelles Pilotprojekt testet eine Stretchfolie aus 97 Prozent Post-Consumer-Rezyklat. Hierfür werden gebrauchte Folienabfälle gewaschen, granuliert und neu extrudiert. Die so entstehende Folie ist minimal milchig und hat eine um rund 8 Prozent reduzierte Reißdehnung. Praxis­versuche zeigen aber, dass sie für Ladungen bis 400 Kilogramm zuverlässig funktioniert. Hochrechnungen des Herstellers belegen: Pro Tonne PCR-Folie lassen sich bis zu 1,5 Tonnen CO2-Äquivalente im Vergleich zu Neuware einsparen. Sollte der Dauertest erfolgreich bleiben, stellen wir unseren gesamten Paletten­verbrauch darauf um und eliminieren damit jährlich mehrere hundert Kilogramm Neu­kunststoff.

3 Laufende Suche nach noch besseren Alternativen

Verpackung ist kein statisches Thema – jedes Jahr prüfen wir neue Lösungen, um Einwegmaterial weiter zu reduzieren.

  • Reißverschluss­beutel aus Kraftpapier statt klassischer ZIP-Beutel aus Plastik dienen bereits in der Kleinteile­logistik als Set-Verpackung für Schrauben und Halterungen.

  • Luftpolster­umschläge aus reiner Papierfaser ersetzen nach und nach gepolsterte Kunststofftaschen für Ersatzteile.

  • Geformte Kartonwaben stehen auf unserer Testliste, um bei sehr empfindlichen Glasleuchten Styroporeinsätze zu ersetzen.

Die Herausforderung ist dabei stets, ein sinnvolles Verhältnis aus Schutzwirkung, Kosten und Recyclingfähigkeit zu erreichen.


4 Was wir unter „Impact“ verstehen – Kennzahlen ohne Schönfärberei

  • 50 % Wiederverwendung, 50 % Neu­karton – diese Quote haben wir 2024 erreicht. Das bedeutet: Jeder zweite Versandkarton hat ein zweites Leben bei uns bekommen.

  • Materialeinsparung – eine Tonne wiederverwendete Kartons ersetzt rund 1,6 Tonnen Neupappe (inklusive Verschnitt). Damit sparen wir jährlich geschätzt mehrere Tonnen CO2, denn Kartonproduktion ist energieintensiv.

  • < 1 % Transportschäden – die wichtigste Kennzahl aus Kundensicht. Sie zeigt, dass Ressourcenschonung und Produktschutz kein Widerspruch sind.


5 Einfluss auf unsere Hersteller

Wir sind nicht allein unterwegs. Seit Jahren sensibilisieren wir unsere Lieferanten, Polystyrol-Einsätze durch gepresste Zellulose oder Kartonwaben zu ersetzen und Plastikbeutel einzusparen. Der Erfolg ist sichtbar: Immer mehr Serien werden umgestellt. Trotzdem liegen manche Produkte länger im Lager – dort steckt noch Styropor drin. Hier tauscht sich unser Einkauf regelmäßig mit den Herstellern aus, um Restbestände abzubauen und Folgeproduktionen umweltfreundlicher zu gestalten.

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EU-Verpackungsrichtlinie: Ende des Einweg-Styropors 
Die Europäische Union hat 2023 ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, das den Einsatz von expandiertem Polystyrol (Styropor) in Endverbraucher-Transportverpackungen schrittweise einschränkt. Ziel: Bis 2030 sollen sämtliche nicht wiederverwendbaren EPS-Verpackungen aus dem Onlinehandel verschwunden sein. Ausnahmen gelten nur für temperaturempfindliche Lebensmittel und Arzneimittel. Hersteller müssen deshalb Alternativen entwickeln – geformte Zellulose, Pilzmyzel-Schäume oder Kartonschalen mit Stanzpolstern gelten als Zukunftstechnologien. Für Händler wie uns heißt das: Wir beschleunigen die Umstellung unserer Sortimente, beraten Lieferanten bei der Materialauswahl und testen frühzeitig neue Verpackungstypen. Vorteil für Dich als Käufer*in: weniger Plastikabfall, leichter zu entsorgende Pakete und eine geringere CO2-Bilanz pro Bestellung.

6 Prüfverfahren: Drop- & Vibrationstests in der Praxis

Bevor eine neue Verpackung in den Regelbetrieb geht, testen wir sie in unserem hauseigenen Logistiklabor:

  1. Falltest (3 Stufen) – 30 cm Kante, 60 cm Ecke, 90 cm Flächenseite.

  2. Kantenrolle – Simulation von Rollen auf Förderbandbögen.

  3. Vibrationstest – 30 Minuten bei 5 Hertz in drei Raumachsen.

Besteht die Original­verpackung mit unserem Wickel oder Sammelkarton alle Tests ohne Funktionseinbuße, bekommt sie grünes Licht. Re-Use-Kartons dürfen dabei höchstens 15 Prozent Stauchwertverlust gegenüber der Norm aufweisen – ansonsten wandern sie direkt in den Pappschredder.


7 Ausblick und nächste Schritte

  • Pilotabschluss PCR-Stretchfolie – Ergebnisse fließen in Jahresplanung 2026.

  • Umstellung aller Luftpolsterumschläge auf reine Papierlösungen – Angebotssichtung läuft.

  • Zweiter Kartonschredder zur Kapazitäts­erweiterung geplant.


Fazit – gemeinsam verpacken wir besser

Eine gute Versandverpackung merkst Du erst, wenn etwas schiefgeht – denn dann schützt sie Dein Produkt und seine Originalverpackung zuverlässig. Mit unserem Mix aus wiederverwendeten Sammelkartons, flexiblen Wellpappen-Wickeln und Recyclingmaterial-Piloten halten wir Transportschäden minimal und den Ressourcenverbrauch so niedrig wie möglich. Hast Du Ideen oder Feedback? Sende uns gern eine Mail – jede Anregung hilft uns, den schützenden Papppanzer weiter zu verbessern..

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