Schutzarten und Schutzklassen

Schutzarten und -klassen wirken auf den ersten Blick enorm gewichtig - und unverständlich. Doch sie geben Aufschluss über Sicherheitsbestimmungen und sind bei Geräten für den industriellen und gewerblichen Einsatz unbedingt zu beachten. Was sich genau hinter den Ziffern verbirgt, zeigen wir Ihnen in diesem Ratgeber auf.

Inhalt:

Absicherung durch das Gehäuse - Schutzarten allgemein

Die Schutzart wird im International Protection Code angegeben und gibt bei einem elektrischen Gerät Informationen über den gehäuseeigenen Schutz gegen störende Fremdkörper in der Luft, Einfluss von Wasser und mechanische Beanspruchung.

Die Gehäuse von Markenartikel unterscheiden sich zu Billigprodukten schon in der Konzeption, durch langlebige feste und ggf. verschalte Materialien, kratzfeste Speziallackierungen, übergangs- und lückenlose Verarbeitung und Ummantelung des empfindlichen stromführenden Innenlebens. Qualität ist nicht nur eine Frage des Geschmacks - sondern vor allem der Sicherheit!
Im Privathaushalt ist zwar oftmals das Design eines Produktes kaufentscheidend, doch sollten Sie bei Kindern im Haushalt, am Weltgeschehen interessierten Haustieren und Geräten für den Außeneinsatz unbedingt auf eine ausreichend hohe Schutzart achten. Erhöhte Anforderungen an die Geräte in Industrie und Gewerbe, z.B. die häufige Benutzung in Hotelanlagen, Gefahr durch Spritzwasser im Restaurant, fliegende Holzspäne in der Werkhalle und den dauerhaften Einsatz, tagsüber und nachts, erfordern zuweilen die gesetzliche Festlegung der Schutzart.
Diese Vorsichtsmaßnahmen dienen dazu, unerwünschtes Eindringen in das Gerätinnere zu vermeiden - sei es von winzigen Teilchen in der Luft, grobem Werkzeug und sogar bewusster Sabotage. Die Gefahren durch Irritation technischer Geräte und Bauteile sind beachtlich: Kurzschluss, elektrischer Stromschlag, Schäden am Gehäuse und dauerhafte Verunreinigung sind mögliche Folgen. Schon die kleinste Störung durch Kondenswasser oder eine wärmende Staubschicht können den Ausfall einer ganzen Anlage verursachen. Die Schäden und Folgekosten lassen sich im Vorfelde durch eine überlegte Auswahl der Produkte leicht vermeiden.

Unfall mit Kaffee auf Tastatur
Als Fremdköper gelten z.B. umherfliegender Staub, fettige Partikel aus der Großküche, genauso wie verfärbende Abgase aus dem industriellen Bereich. Äußere Schichten die sich am Gerät anlagern, können auf Dauer zu gefährlicher Überhitzung führen. Bei Artikeln im medizintechnischen Bereich, vor allem der Lüftungstechnik in Krankenhäusern und Allergikerhaushalten, müssen selbst mikroskopisch kleine Bakterien und Viren durch das Gehäuse von der weiteren Verbreitung abgehalten werden.
Ein gut geschütztes Gehäuse kann, je nach Höhe der Schutzart, Wasser von leichten Tropfen bis zum kräftigen Strahl aus dem Hochdruckreiniger abhalten. Geräte für den Außeneinsatz sollten beispielsweise gegen erhöhte Luftfeuchtigkeit und Regen abgesichert sein. Im Innenraum ist auftretendes Kondenswasser als Gefahrenquelle nicht zu vernachlässigen. Hinzu kommt das Risiko für Unfälle mit Flüssigkeit wie z.B. Kaffee im Privathaushalt und Säuren, Laugen oder Öl in der Industrie.
Unter mechanischer Beanspruchung des Gehäuses wird versehentliche und unbedachte Berührung z.B. durch Kinder und ungeschickter bzw. unerlaubter Zugang mit Werkzeug etc. und ungünstig umherfliegende Teile in der Luft, z.B. Insekten und Bälle verstanden. Für Geräte im öffentlichen Einsatzgebiet fallen darunter auch absichtliche Stöße und Kratzer bei Vandalismus sowie erhöhte Abnutzung und Anforderung an das Material durch sehr häufigen Gebrauch.

Schutzart IP nach EN 60529 / Schutz durch Gehäuse vor Fremdkörpern und Wasser

Der IP-Code kennzeichnet den Schutzgrad gegenüber Fremdkörpern und Berührung und Wasser  von Gehäusen und Abdeckungen, die zum Schutz elektrischer Einrichtungen dienen. Der IP-Code ist gemäß IEC 529, EN 60529, DIN VDE 0470-1 und NF C 20-010 festgelegt, es gibt zudem noch ergänzende DIN und ISO Normen für Straßenfahrzeuge, die mit Dampfstrahlern gereinigt werden.

Der IP-Code setzt sich aus zwei Kennziffern zusammen, z.B. IP44. Die erste Ziffer bezieht sich grundsätzlich auf den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung mit einem Finger, Draht etc., die zweite auf Schutz gegen Wasser. Falls eine Kennziffer nicht angegeben ist - weil sie für die jeweilige Betrachtung unbedeutend ist - wird anstelle dieser Kennziffer der Buchstabe X gesetzt, z.B. IP X4 oder IP 6X.

1. Ziffer
0
1
2
3
4
5
6
Schutz gegen Fremdkörper und Berührung
ungeschützt
geschützt gegen feste Fremdkörper > 50mm und gegen Berührung mit Handrücken
geschützt gegen feste Fremdkörper > 12mm und gegen Berührung mit Finger
geschützt gegen feste Fremdkörper > 2,5mm und gegen Berührung mit Werkzeug
geschützt gegen feste Fremdkörper > 1mm und gegen Berührung mit Draht
geschützt gegen Staub und Berührung
dicht gegen Staub, geschützt gegen Berührung
2. Ziffer
0
1
2
3
4
5
6
7
8
Schutz gegen Wasser
ungeschützt
geschützt gegen Tropfwasser
geschützt gegen Tropfwasser unter 15°
geschützt gegen Sprühwasser
geschützt gegen Spritzwasser
geschützt gegen Strahlwasser
geschützt gegen schwere See
geschützt gegen die Folgen von Eintauchen
geschützt gegen Untertauchen

Schutzart IK nach EN 50102 / Schutz vor mechanischer Beanspruchung und Vandalismus

Der durch ein Gehäuse für elektrische Betriebsmittel realisierte Schutzgrad gegen äußere mechanische Beanspruchung wird durch den IK Code gemäß Norm EN 50102 - VDE 0470 Teil 100 und EN 62262 festgelegt. Dieser Code wird durch die Buchstaben IK und eine zweistellige Ziffer ausgedrückt und bezieht sich auf die Schlagenergie, angegeben in der international gebräuchlichen Form Joule.

IK
00
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
Schutz gegen mechanische Beanspruchung
Keine Stoßfestigkeit
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,15J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,2J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,35J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,5J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,7J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 1J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 2J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 5J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 10J
Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 20J


Absicherung durch Isolierung - Schutzklassen allgemein

Elektrische Schutzklassen erklären die Absicherung des Gerätes gegen Stromschlag bei Berührung. Dies geschieht z.B. bei Ventilatoren über ausreichende Isolierung der Elektrotechnik.

Schutzklasse I
Bei Ventilatoren der Schutzklasse I wird das Schutzziel durch Isolierung spannungsführender Teile und den Anschluss berührbarer Metallteile an den Schutzleiter erreicht. Die Schutzleiter-Anschlussklemme ist mit dem Symbol für Schutzklasse I gekennzeichnet
Schutzklasse II
Bei Ventilatoren der Schutzklasse II wird die elektrische Sicherheit durch doppelte Isolierung gewährleistet.


Prüfzeichen der Schutzklassen

VDE Zeichen
Für elektrotechnische Erzeugnisse, auch Produkte im Sinne des Geräte- und Produktsicherheitsgesetzes (GPSG) und Medizinprodukte im Sinne des Medizinproduktegesetzes (MPG).
Das VDE-Zeichen kennzeichnet die Konformität mit den VDE-Bestimmungen bzw. europäischen oder international harmonisierten Normen und bestätigt die Einhaltung der Schutzanforderungen der zutreffenden Richtlinien. Das VDE-Zeichen steht für die Sicherheit des Produktes hinsichtlich elektrischer, mechanischer, thermischer, toxischer, radiologischer und sonstiger Gefährdung.
 
VDE-GS-Zeichen
Für technische Arbeitsmittel und verwendungsfertige Gebrauchsgegenstände im Sinne des GPSG (für diese Produkte wahlweise statt VDE-Zeichen).
Handelt es sich um technische Arbeitsmittel oder verwendungsfertige Gebrauchsgegenstände im Sinne des Geräte- und Produktsicherheitsgesetzes, können Sie auch das VDE-GS-Zeichen verwenden.
 
VDE-EMC-Zeichen
Für Geräte, die den Normen für elektromagnetische Verträglichkeit entsprechen.
Das VDE-EMC-Zeichen drückt die Konformität eines Erzeugnisses mit den anzuwendenden Normen im Hinblick auf die elektromagnetische Verträglichkeit von Produkten aus. Dieses Zeichen signalisiert aber auch die verlässliche Funktion Ihres Produktes im elektromagnetischen Umfeld. Denn die Anforderungen zur Erteilung des Zeichens umfassen automatisch und ohne Einschränkung die Erfüllung der entsprechenden Normen.
 
ENEC-Zeichen des VDE
Für Erzeugnisse nach harmonisierten Zertifizierungsverfahren.
Grundlage für die Prüfung sind die im ENEC-Abkommen aufgeführten europäischen Normen. Produkte (dies sind zur Zeit Leuchten, Leuchtenkomponenten, Energiesparlampen, Geräte der Informationstechnik, Transformatoren, Geräteschalter, elektrische Regel- und Steuergeräte, Klemmen, Gerätesteckvorrichtungen, einige Arten von Kondensatoren und Funkentstörbauteile) die auf dieser Basis geprüft wurden, dürfen mit dem ENECZeichen des VDE gekennzeichnet werden. Eine Genehmigung einer weiteren am europäischen Zertifizierungsverfahren beteiligten Stelle, ist nicht erforderlich.
 
VDE-Kabelzeichen
Für Kabel, Leitungen und Installationsrohre und -kanäle gilt das VDE-Kabel-Zeichen.
 
CE-Kennzeichnung
Der Hersteller dokumentiert und erklärt in eigener Verantwortung, dass das gekennzeichnete Produkt den grundlegenden Anforderungen der EU-Richtlinien entspricht. Dieses Label ist kein Prüfzeichen für Sicherheit und Qualität, sondern richtet sich an die Marktaufsichtsbehörde.
 
F-Zeichen
Hinweis dass Leuchten auf normal entflammbaren Oberflächen montiert werden dürfen.


 

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