Welche Lüfter eignen sich fürs Gewächshaus?


Pflanzenzucht im Garten

Unter Glas herrschen besondere Bedingungen: stehende Hitze, hohe Feuchtigkeit und empfindliche Jungpflanzen. Werden Sie mit unseren Lüftungstipps zum Gartenprofi!

Durchschnittliche Lesezeit: 11 min

Auch der ambitionierteste Hobbygärtner kann nicht an jedem Tag sofort vor Ort sein, um im Gewächshaus die klimatischen Gegebenheiten und plötzlichen Wetterumschwünge per manueller Lüftung auszugleichen. Entsteht regelmäßig sehr hohe Luftfeuchtigkeit, sind schnell Sporenbildung und Pflanzenschäden die Folge. Erfindungsreiche Kleingärtner lassen sich daher einiges einfallen, um ihr (fensterloses) Gewächshaus zu belüften: sogar mit dem Einbau von PC-Lüftern wird experimentiert! Eine Kundin hat uns nun neulich darauf aufmerksam gemacht, wie schwer es ist, für Garten- und vor allem Gewächshäuser einen geeigneten Ventilator im Handel zu finden. Dabei gibt es doch so effektive Geräten, z.B. mit automatischer Feuchtregulierung.

Wir zeigen Ihnen in diesem Blogbeitrag mit welchen Lüftern Sie kostengünstig Temperatur- und Luftfeuchte für Ihre Pflanzenzucht optimieren.

Ein Lüfter fürs Gewächshaus sollte folgendes bieten:
  • Hinreichend Luftbewegung / Umwälzung
  • Frischluftzufuhr
  • Kontrollierbarer Temperaturausgleich
  • Automatische Feuchtregulierung
  • Geringer Stromverbrauch
  • Leichte Reinigung
  • Einfache Montage
  • Ungestörter Betrieb auch bei hohen Temperaturen um 50°C
  • Beständigkeit gegen Luftfeuchtigkeit und Witterung
So verhindern Sie:
  • Feuchtigkeitsschäden an Pflanzen und Baumaterial
  • Schimmelbefall und Braunfäule
  • Wachstumsschäden durch Stauhitze
  • krasse Temperaturdifferenzen (Tag/Nacht)
  • ungenügende Bestäubung (bei Windbestäubern)

Typische Probleme bei der überdachten Pflanzenanzucht

Welch Freude, wenn die Frühsaat die ersten grünen Triebe aus der Erde reckt. Doch grade die zarten Keimlinge benötigen gute klimatische Bedingungen zum kraftvollen Wachstum. Die Bildung von Schimmelsporen in der feuchtwarmen Atmosphäre muss hingegen unbedingt verhindert werden, die zarten Jungpflanzen sind noch besonders anfällig gegenüber Temperaturschwankungen, Bakterien und eben Sporen. Die im Glashaus stark aufgeheizte, stehende Luft muss also möglichst regelmäßig bewegt und bei Bedarf ausgewechselt werden.

Genau wie wärmespeichernde Neubauten haben auch hochwertige Gewächshäuser eine luftdichte Gebäudehülle. Dies macht eine kontrollierte Luftzu- und abfuhr notwendig, bei der entstandenes Kondenswasser ausgeleitet wird. Schimmelbildung (ab 60% Luftfeuchtigkeit) wird so vermieden.
Paradies im Gewaechshaus
Mit unseren Tipps sichern Sie sich eine reiche Ernte
Durch starkes Gießen und die Photosynthese kommt es zu wassergesättigten Innenraumluft. Die aufgewärmte Luft über Tage hat die Fähigkeit, das Wasser gasförmig zu binden. Doch nachts kühlt das Gasgemisch aus und es entsteht verstärkt Kondenswasser. Das Problem tritt auch bei winterlicher Nutzung des Häuschens auf, wenn die Außentemperaturen noch sehr niedrig sind. Sobald Wassertropfen regelmäßig an den Glasscheiben kondensieren, ist das Gewächshaus definitiv zu feucht, was bei Pflanzen zu Fäulen führen kann. Erste Schimmelflecken auf der Pflanzenerde, den Fensterfugen oder dem kühlen Gewächshausboden sind wichtige Warnzeichen, dass die Luftfeuchtigkeit im Rauminneren zu hoch ist!

Temperatur, Sauerstoff- und Wasserdampfgehalt in der Luft werden im Idealfall auf die Wachstumsphasen der Pflanzen abgestimmt. Besonders Wärme und Feuchtigkeit sollten exakt steuerbar sein, um optimale Bedingungen zu gewährleisten. Steigt die Gradzahl zu sehr an, fallen vormals aufstrebende Sprossen rasch in sich zusammen und liegen matt am Boden.

Tipp: Beachten Sie, dass jede Pflanzengattung Ihre eigene Wohlfühltemperatur hat und wählen Sie Ihre Setzlinge möglichst passend zueinander aus. Das erleichtert die Pflege. Die meisten Pflanzenarten bevorzugen eine Tagestemperatur von 20-30°C.

Welche Lüftungsarten gibt es?

  • Manuelle Lüftung (Fenster/Tür)
  • Automatische Fensterlüftung ohne Strom und Batterien
  • einfache Be- und Entlüftung über Ventilator
  • Feuchtigkeits- bzw. wärmeabhängige vollautomatische Lüftung

Möglichkeiten und Grenzen der Fensterlüftung

Tomatenzucht
Tomaten sind Windbestäuber und freuen sich über einen ausreichenden Luftzug

Empfohlene Luftleistung für Gewächshaus mit 25m2 = 150-160 m3/h
Grundsätzlich gilt, dass die Belüftungsfläche über Fenster im Gewächshaus 10-20 Prozent der Grundfläche einnehmen sollte. Doch nicht in jedem Haus sind zum einen genügend Durchlässe vorhanden und in solch günstigem Winkeln verteilt, dass sie hinreichenden Luftzug gewährleisten. Um den Kamineffekt zu nutzen, sind Dach- und Seitenfenster gegenüberliegend und in unterschiedlichen Höhen angeordnet. Die ausgewählte Lage (Sonnen- und Schattenseite) und Größe der Öffnungen kann ungünstige Temperatur- und Druckentwicklung nochmals verhindern.

Nachträglich sind Seitenfenster und Dachluken nicht immer im Grundbau umsetzbar. Diese einfache Maßnahme reicht in der gefährdenden Hochsommerzeit mit Temperaturen über 35°C oftmals nicht aus, um die Luft ausreichend zu bewegen und auszutauschen. Zudem müssen die beweglichen Scheiben in diesem Fall händisch geöffnet/geschlossen werden, was nicht immer zeitnah umsetzbar ist.

Automatische Fensterlüftung ohne Strom und Batterien

Simple Techniken bei vorhandenen Fenstern nehmen dem Gartenfreund das Öffnen per Hand ab: Hydraulisch betriebene Dach- oder Fensterlüfter benötigen keine externe Energiezufuhr, sondern betätigen durch die temperaturabhängige Ausdehnung von Wachsbestandteilen im Zylinder einen Kolben der die Scheibe nach oben anhebt. Sinkt die Außentemperatur, schließt sich das Fenster durch gleiche Technik wieder. Die Montage solcher Fensteröffnung ist leicht zu bewerkstelligen, doch die biegsamen Bauteile sind leider anfällig für starken Windzug.

Gegenüberliegende Lamellenfenster, Lüftungsklappen oder -schlitze wären eine weitere Möglichkeit, der preisgünstigen und hinreichenden Belüftung. Der Einsatz dieser Lösung hängt aber stark von der Empfindlichkeit der Ziehpflanzen, sowie den baulichen Gegebenheiten des Hauses ab.

Elektrische Lüftung: Woher kommt der Strom?

Für den Einsatz von programmierbaren elektrischen Geräten, sollte im Gewächshaus ein Stromanschluss vorhanden sein. Batterie- oder Akkubetriebene Modelle leisten nicht den dauerhaften und regelmäßigen Betrieb, den Sie benötigen, um das Gewächshaus beständig zu kühlen. Ggf. lässt sich die Elektrizität von Gartenlaube bzw. Wohnhaus über ein Verlängerungskabel umleiten. Falls Ihr Gewächshaus in einer Gartenkolonie steht und noch nicht an den allgemeinen Stromkreislauf angeschlossen ist, können Sie dies meist nachträglich beim Kleingärtnerverein veranlassen. Erkundigen Sie sich vorher genau über anfallende Arbeits- und Materialkosten.

Als Alternative zum Stromanschluss können Sie auch ein wetterbeständiges (mobiles) Solarmodul auf dem Dach ihres Häuschens installieren und den Strom selbst an Ort und Stelle erzeugen. Um den Nachtbetrieb der Lüfter zu gewährleisten, sollte die Solareinheit speicherfähig sein. Möchten Sie das Gewächshaus lediglich tagsüber kühlen, reicht auch eine Solarplatte ohne Speicher.

Kompakte solarbetriebene Gewächshauslüfter liefern neben der Ventilatoreinheit ihr Energiepanel gleich mit. Diese Kombilösung wird bereits preisgünstig angeboten, bietet aber eine geringere Steuerungsmöglichkeit als sensorbetriebene Geräte. Meist verfügen Solarventilatoren lediglich über einen An/Aus Schalter oder Laufen selbsttätig, sobald direkte Sonneneinstrahlung Energie bringt. Nachts oder an dunkleren Tagen ist der Betrieb damit nicht möglich.

Beide Arten (mit bzw. ohne Speicher) von Solaranlagen für Garten und Hobbygebrauch liefern genug Energie, um einfache Kleinraumventilatoren daran zu speisen. Solche Geräte benötigen bisweilen sehr wenig Strom und laufen bereits ab 10 bis 28 Watt.

Der Anschaffungspreis einer Solarplatte rechnet sich oft im Vergleich zum Verlegen von unterirdischen Stromkabeln. Würden Sie den Stromanschluss dann aber auch noch für andere Geräte nutzten, z.B. für Rasenmäher und Co., macht diese Variante wiederum mehr Sinn. Hier gilt es die für und wider gründlich abzuwägen.

Sobald Strom fließt: Welche Modelle gibt es?

Sobald die Herstellerangabe einen Ventilator für den Außeneinsatz ausweist, können Sie ihn auch im Gewächshaus laufen lassen. Der Einsatzort des Gerätes ist in der Artikelbeschreibung angegeben, bei Unsicherheiten fragen Sie lieber nach. Outdoor- bzw. Feuchtraum-Ventilatoren sind durch witterungsbeständige Materialien und eine wasserdichte Motorenummantelung vor Regen und Rost geschützt. Die verwendeten Bauteile sind zudem oftmals besonders leicht von Verschmutzungen zu reinigen.

Eine IP Schutzklasse deutet auf den Schutz vor Tropf, -Spitz- und Sprühwasser sowie hohes Wasserdampfvorkommen hin. Auch wenn es nicht in das Glashaus hineinregnen kann, stellt die erhöhte Luftfeuchtigkeit für ungeeignete Modelle ein hohes Risiko dar. Achten Sie daher unbedingt darauf, dass Ihr Gerät für den Einsatz in Feuchträumen zugelassen ist! Sinnvoll wäre mindestens Schutz IPX2 gegen fallendes Tropfwasser. Zusätzliche Schutzarten sichern hochwertige Bauteile gegen versehentliche Berührung (Insekten, Laub) ab.

Beachten Sie auch die Angaben zur maximalen Umgebungstemperatur, da es unter Glas zu Stauhitze kommen kann.

Einfache Ventilatoreiheit (stehend oder hängend)
Einige Modelle bieten praktische Timer, mit der Sie Betriebsintervalle von mehreren Stunden einstellen können. Der Betrieb solcher Ventilatoren ist jedoch nur nach manuellem Einschalten möglich. Eine Öffnung zum Eintreten von Frischluft muss am Haus vorhanden sein. Deckenventilatoren mit hoher Flügelspannweite sind aufgrund Ihres Gewichts und Platzbedarfs in Privatgewächshäusern oftmals ausgeschlossen. Dennoch muss der Lüfter ausreichenden Luftumsatz für die komplette Raumgröße gewährleisten, zu klein sollte das eingesetzte Gerät daher auch wieder nicht sein.

Standventilatoren mit Oszillation (Drehgelenk) bieten den Vorteil, das gesamte Gewächshaus zu belüften. Auch hintere Ecken werden erreicht und alle Pflanzen profitieren - Windbestäuber sind zur Befruchtung auf die bewegte Luft angewiesen!

Umluftventilatoren führen wärmere Luftmassen über einen Schlauch aus dem Dachbereich zurück nach unten zu den kühleren Bodenbereichen, wo die Pflanzen verwurzelt sind. So entsteht eine gleichmäßige Raumtemperatur.




+ Zusätzlicher Effekt von Ventilatoren (alle Bauweisen): Schadinsekten können sich durch den frischen Wind nicht so einfach an den Jungpflanzen absetzten. Und das aufrechte kräftige Pflanzenwachstum wird durch den beständigen leichten Widerstand gestärkt.

Kleinraumventilatoren zum Wand- und Fenstereinbau

Ventilator im Gewaechshaus
Es muss nicht immer der Industrielüfter (Hintergrund) sein, kleine Fenster- bzw. Wandeinbaumodelle reichen vollkommen aus für Ihre Privatzucht
In der Pflanzenzucht ist es besonders sinnvoll, wenn das Lüftungsgerät selbsttätig zum Einsatz kommt, sobald ein überdurchschnittlicher Wasseranteil in der Umgebungsluft herrscht. Eigentlich zur Entlüftung von Küche und Bad konzipiert, lassen sich Kleinraumventilatoren herrlich für unsere Zwecke nutzen. Die automatische Feuchtregulierung dieser Modelle funktioniert über wasserempfindliche Sensoren und Thermostate. Sie kann beispielweise auf einen voll maschinell gesteuerten Betrieb ab 60%, 70%, 80% oder 90% Luftfeuchtigkeit programmiert werden.

Allerdings ist die reguläre Steuerung von Badeinbauventilatoren mit dem Lichtschalter, der Toilettenspülung, einem Bewegungssensor oder einem Zugseil verbunden. Für die besonderen Bedingungen im Gewächshaus sollte die Belüftung allein über die Feuchtsensoren einsetzten (siehe Herstellerangabe).

Ein zusätzlicher Timer sichert eine regelmäßige Intervalllüftung. Der Timer sollte jedoch auch hier unabhängig vom Nachlaufrelais (bezieht sich auf den Nachlauf nach Bad/Toilettennutzung) funktionieren. Da das Gerät dafür auf Dauerbetrieb ausgerichtet ist, achten Sie auf minimalen Stromverbrauch, um unangenehme Überraschungen bei der nächsten Stromabrechnung zu vermeiden.

Ein weiterer Vorteil: Schneller Einbau in vorhandene Rohre, Schächte, Spalten oder Öffnungen im Fensterglas oder der Hauswand möglich. Auch nachträglich lässt sich meist unaufwändig eine Öffnung in die Fensterscheibe schneiden.

Kleinraumventilatoren - Ihre Vorteile auf einen Blick:
  • Vollautomatische Feuchteregulierung über Sensoren
  • speziell für den Einsatz in Feuchträumen konzipiert
  • Einfache Montage, Reinigung
  • Preisgünstige Anschaffung
  • Platzsparend
Mit unseren Tipps und Tricks zur Gewächshausbelüftung wünschen wir Ihnen einen ertragreichen Sommer!

Sie wünschen sich einen Blogbeitrag speziell zu Ihrer Fragestellung? Melden Sie sich gern mit Ihrer Anregung per Email an info@creoven.de

Quellenangabe:
http://gewaechshaus-ratgeber.com/themen/gewaechshaus-belueftung/
http://www.gartenmagazine.de/optimales-klima-fuer-pflanzen-im-gewaechshaus-1112/
http://www.selbst.de/garten-balkon-artikel/gartentechnik/wie-funktioniert-eine-gewaechshaus-lueftung-154558.html

Bilder:
Blogbanner © JamesDeMers - https://pixabay.com, CC0 Public Domain
Junge Frau © Unsplash - https://pixabay.com, CC0 Public Domain
Tomaten © alex80 - https://pixabay.com, CC0 Public Domain
Gewächshaus © Unsplash - https://pixabay.com, CC0 Public Domain
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