Was kommt nach der ENEV 2016

20.03.2017 17:45 von Sarah Barnert

EnEV KfW GEG Lüftungsanlage ErP

Was kommt nach der ENEV 2016

Ab 2019 gilt die EU-Gebäuderichtlinie für öffentliche Neubauten, ab 2021 für Privatgebäude. Was ändert sich?

Was kommt nach der ENEV 2016?

Noch in der laufenden Legislaturperiode soll sie endgültig feststehen: die Definition des Niedrigstenergiestandards nach Gebäudeenergiegesetz - GEG.

Geschätzte Lesezeit: 7 min, hier zur Zusammenfassung

Inhalt: Nachtrag Stand 01.04.2017: Einigung zum Gebäudeenergiegesetz für diese Legislaturperiode in Deutschland gescheitert. Fortsetzung folgt...

EU Verordnung

Einstieg: Energiestandards von Gebäuden

Unsanierte Wohnhäuser haben durch undichte Stellen starke Wärmeverluste (U-Werte) und einen hohen Heizwärmebedarf. Das Europäische Parlament und der Rat der EU veröffentlichten 2010 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden, dass sie rund 40% des Gesamtenergieverbrauchs der Union ausmachen. Da im Bau- und Wohnungssektor weiterhin steigende Nachfrage erwartet wird, musste eine Lösung gefunden werden, den Verbrauch zu senken. Die verbesserte Dämmung der Gebäudehülle, kontrollierte Lüftung sowie die Fokussierung auf Energie aus erneuerbaren Quellen bilden solch sinnvolle Maßnahmen.

EU-Gebäuderichtlinie einsehen
Quelle: © Europäische Union, 1998-2017
Nach den ersten Wärmeschutzverordnungen in Deutschland wurde das Niedrigenergiehaus in der EnEV 2002 zur Pflicht. Die Energiesparverordnung gibt einen Mindeststandard für den Jahresprimärenergiebedarf und des Transmissionswärmeverlustes vor, an dem sich die Planer aller Neubauten orientieren müssen. Verbrauchen Gebäude deutlich weniger Primärenergie als vorgegeben, können sie durch die KfW-Bank großzügig bezuschusst werden. Auch energetische Sanierungen an Altbauten, die zum Erreichen eines Effizienzhaus-Standards führten, sind förderfähig. Der Effizienzhaus-Standard liegt einem Referenzgebäude der EnEV 2009 zu Grunde. Dieser EnEV-Standard entspräche dem "KfW-Effizienzhaus 100".

Beispiel: Eine Effizienzhaus 70 verbraucht 70% der Primärenergie verglichen mit dem Referenzgebäude, ein Effizienzhaus 55 nur 55 % usw. Je weniger Energie verbraucht wird, desto höher ist die Fördersumme.

Die aktuelle Energiesparverordnung ab April 2016 führte zu einer erneuten Verschärfung der Vorgaben. Das Referenzgebäude blieb unverändert, aber der Primärenergieverbrauch wurde noch einmal um -25% gesenkt.

Veränderung bei KfW-Förderung

Die EnEV 2016 passt sich schrittweise dem Energiestandard der europäischen Gebäuderichtlinie an. Durch ihre Verschärfung entfiel ab Bauantragstellung April 2016 die Förderfähigkeit für Neubauten im Effizienzhaus 70 Standard. Sanierungen am Altbauten sind von dieser Regelung zurzeit noch ausgeschlossen. Das vorherige Effizienzhaus 70 ist jetzt der neue Mindeststandard laut EnEV.

Aktuell wird noch das Effizienzhaus 55, 40 (und 70 bei Sanierungen) gefördert. Neu hinzu kam das Haus 40+. Es erfüllt neben den Anforderungen an das reguläre Effizienzhaus 40 ein Pluspaket. Unter anderem zählt dazu eine stromerzeugende Anlage aus Basis erneuerbarer Energien und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Des Weiteren wird ein stationäres Batteriespeichersystem und ein Interface gefordert, das Stromerzeugung und -verbrauch visualisiert.

Gebäudeenergiegesetz GEG - Was gilt ab 2019?

Das Gebäudeenergiegesetz GEG führt die Energieeinsparverordnung (EnEV), das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zusammen. Das GEG greift für Neubauten ab 2019 und zielt auf das Niedrigstenergiehaus als Energiestandard ab. In allen europäischen Mitgliedsstatten wird durch das Gebäudeenergiegesetz GEG das Nullenergiehaus (Niedrigstenergiegebäude) verbindlich.

Ab Bauantrag 2019 für öffentliche Gebäude
ab 2021 für private Neubauten
bis 2050 sollen alle Häuser im Bestand diesem Standard entsprechen

Das Niedrigstenergiehaus wird Nullenergiehaus ("nearly zero-energy building") genannt, da sein externer Energiebedarf nahezu bei null liegt. Der Energiestandard ist erreicht, wenn der externe Energiebezug im Jahresmittelwert durch den Energiegewinn vor Ort gedeckt ist. Beispiel: Solaranlagen speichern ein Plus an Energie im Sommer, welches die Wintermonate mit externem Bezug rechnerisch ausgleicht.

Ein Nullenergiehaus hat eine hohe Gesamtenergieeffizienz. Die verbrauchte Energie für Warmwasser, Heizung und Lüftungsanlage wird durch erneuerbare Energien am Standort selbst erzeugt. Sie wird durch effektive Wärmedämmung, Wärmerückführung sowie Energiespeicher im Gebäude erhalten. Als Methode der Energiegewinnung eignen sich z.B. Photovoltaik (Umwandlung von Lichtenergie) und Solaranlagen, Windräder und Wärmepumpe (Nutzung von Erd- und Grundwasserwärme).

An sich ist das Nullenergiehaus keine neue Erfindung, bereits in den 1990 Jahren wurden solche Wohngebäude umgesetzt. Das erste Nullenergiehotel öffnete seine Tore 2009 in Wien. Doch erst die Masse solcher Bauvorhaben unterstützt die Erfüllung des Kyoto-Abkommens. Im Vergleich zum Referenzgebäude der EnEV 2009 spart das Nullenergiehaus 45% mehr Primärenergie ein. Die kommende Basis für alle Neubauten entspricht damit dem heutigen Effizienzhaus 55.

Die exakte Definition des Niedrigstenergiegebäudestandards wird von den Mitgliedsstaaten der EU festgelegt. In Deutschland berät das Bundesministerium für Wirtschaft derweil noch über verbindliche Richtwerte. Ein erster Entwurf wurde am 23. Januar 2017 von Wirtschafts- und Umweltministerium veröffentlicht. Das Gesetz für öffentliche Gebäude soll noch dieses Jahr fertiggestellt sein und zum 01.01.2018 in Kraft treten.

ErP - Bewertung der Lüftungseffizienz

Eine dichte Gebäudehülle verhindert, dass Wärme unkontrolliert entfleucht (Transmissions-Wärmeverluste). Durch energetische Sanierung am Fenster oder bessere Dämmung, wird die Dichtigkeit des Gebäudes verstärkt.

⇒ In Passivhäusern und anderen Gebäuden mit einer Dichte ab n50 Wert über 1,5 ist laut EnEV und Din 1946-6 ein Mindestluftwechsel durch Lüftungsanlagen sicherzustellen.

Kontrollierte Wohnraumlüftung ist aus drei guten Gründen notwendig:
  1. Eine Wand-Oberflächentemperatur kälter als 12,6 °C gilt bei 20° Wohnraumtemperatur und 50% relativer Luftfeuchtigkeit als Schimmelgrenze. Um die Feuchtigkeit auch bei Abwesenheit der Bewohner oder Leerstand auszuleiten, ist regelmäßige Lüftung erforderlich.
  2. Steigt die CO2-Konzentration in der Raumluft über 1000 ppm, wirkt die unhygienische Luft gesundheitlich belastend. Altluft muss also regelmäßig abgeführt werden. Zum Sauerstoff- und Druckausgleich ist die Förderung von Frischluft im gleichen Maße notwendig.
  3. Weitere ausdünstende Schadstoffe, z.B. aus Baumaterial, verhindern ein unbedenkliches Wohnen.

Gesetzliche Neuerungen bei der kontrollierten Wohnraumlüftung:

Seit 2016 betrifft die Ökodesign Richtlinie ErP neben Haushaltsgeräten wie die Waschmaschine, Kühlschrank, Fernseher etc. nun verbrauchsintensive Ventilatoren zur Wohnraumlüftung. Dazu zählen z.B. radiale Rohreinbauventilatoren und Dachventilatoren. Diese Geräte müssen die neuen Mindestanforderungen erfüllen und werden zusätzlich nach Ihrer Effizienz bewertet. Dabei tun sich Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung positiv hervor. Sie führen Abluftwärme zurück in den Energiekreislauf des Gebäudes und helfen somit, Energie einzusparen.

Unser Tipp: Die Energieeffizienz von Lüftungsanlagen wird durch passende Rohre und Ausblasöffnungen optimiert. Rohre sollten möglichst ohne Knicke und Bögen verlegt werden. Rechteckige Formate eignen sich für kurze Strecken. Sie bieten einen höheren Reibungswiderstand als runde Querschnitte. Beim Durchmesser gilt: je mehr die Luft gepresst (enges Rohr) wird, desto lauter ist die Lüftungsanlage. Eine Rohrlänge ab 15 m ist kritisch, der Ventilator bräuchte viel Energie zum Druckaufbau. Um an Länge einzusparen, gibt es schnabelförmige Weitwurfdüsen. Die Zuluft tritt an der Zimmerwand ein und gleitet an der Zimmerdecke bis zur Raummitte.

Durch kurze Luftwege mit geringem Reibungsverlust können Sie sich für eine kleinere/sparsamere Lüftungsanlage entscheiden.
Deckenventilator Petite

By the way: Deckenventilator trotz Lüftungsanlage?

Ein Deckenventilator fördert keine Zuluft/Abluft, sondern bewegt die Luft im Raum. Obwohl sich die Haut beim Sommerbetrieb kühler anfühlt, verändert der Rotor die tatsächliche Raumtemperatur nicht. Daher kommt es durch einen Deckenventilator nicht zur Beeinträchtigung der Lüftungsanlage. Ist der Deckenventilator zusätzlich notwendig? Bzw. wo wären dann die Vorteile?
Zum einen im Deckenlicht, dass ein verbrauchsarmes LED-Leuchtmittel sein kann. Dazu kommt ein spontaner Kühleffekt bzw. bedarfsorientierte Wärmerückführung, ohne die ganze Lüftungsanlage umzuprogrammieren. Daneben muss man das besondere Flair eines Deckenventilators im Wohnraum nicht extra betonen, oder?

Der heiße Trend: Wärmerückgewinnung

Marley Waermetauscher
Der Trend für die Herbst/Winter Kollektion 2017/18 steht fest: er heißt Wärmetauscher!

Trotz erneuerbare Energien aus Windkraft, Sonnenstrahlung etc.: Um die Effizienz-Vorgaben der EU zu erfüllen, werden dezentrale Wärmetauscher und zentrale Geräte zur Wärme-Rückführung ab 2019 unumgänglich sein. Als Trendsetter statten Sie Ihr Gebäude heute damit aus. Zur Wärmerückgewinnung ist es unerheblich, ob Sie etablierte oder neue Energieformen zum Heizen nutzten. Selbst Körperwärme und Abstrahlung von Haushaltsgeräten wie im Passivhaus, werden aus der Abluft gespeichert und der Zuluft übertragen.

Der Einstandspreis von Wärmerückgewinnung rentiert sich, je mehr Kältetage es in Ihrer Region gibt. In Deutschland macht Wärmerückführung grundsätzlich Sinn, denn als Behaglichkeitsgrenze gelten mindestens 16,5 °C innen. Fällt die Temperatur darunter, schaltet man spätestens die Heizung ein. Und ja nach Wärmedämmung des Hauses wird dann beständig nachgeheizt. Wägen Sie die fiktiven eingesparten Heizkosten gegen Einbaukosten und Betriebskosten einer wärmespeichernden Lüftungsanlage ab. Wir haben es Ihnen gesagt!
Auch in Bauten ohne Lüftungsanlage können Sie Wärmeenergie mehrfach nutzten. Statt sie an der Zimmerdecke zu sammeln, bringen Sie Warmluft per Deckenventilator im Wintermodus zurück in den Aufenthaltsbereich. Senken Sie Ihren Verbrauch an Heizenergie und tun Sie der Umwelt Gutes.

Wenn wir es im Winter bei 22 Grad im Innenraum erst gemütlich finden, kann die Luftfeuchtigkeit im Haus zu niedrig sein. Anzeichen für trockene Luft sind spannende, trockene Haut, Juckreiz und Risse in Holzmöbeln. Einen Ausgleich schaffen hygienisch einwandfreie Enthalpiewärmetauscher. Sie arbeiten mit Salzkristallen zur Feuchterückgewinnung. Als dezentrale Lösung eignen sich tragbare elektronische Luftbefeuchter. Die Geräte messen per Sensor, wann der Grad der Feuchtigkeit fürs Wohnklima angemessen ist. Dann schalten sie sich automatisch in den Stand-bye Modus.

Fazit: Ab 2018 geht nichts mehr ohne Wärmerückgewinnung im Wohnungsbau. Planen Sie jetzt entsprechende Maßnahmen ein.

Zusammenfassung

Haus mit Solarpanel
Ländliche Idylle mit Effizienzhaus - bald Normalität.
Im April 20016 lief die KfW-Förderfähigkeit von Neubauten mit Effizienzhaus-70 Standard aus. Hierbei handelt es sich seitdem um den neuen Mindeststandard laut EnEV. Dafür ist das Effizienzhaus 40 Plus zur Förderung eingeführt worden. Bauherren, Planer und Eigentümer mit Sanierungsabsicht stellen sich auf weitere Neuerungen durch das Gebäudeenergiegesetz der EU ein. Der endgültige Entwurf zur Umsetzung des GEG in Deutschland soll noch 2017 vorliegen. Wir werden sie entsprechend auf dem Laufenden halten.

Gebäudeenergiegesetz
Ab 2019 wird ein, im Jahresmittel gegen Null laufender Primärenergiebedarf für öffentliche Gebäude (Neubauten) gefordert. Ab 2021 gilt das GEG für Bauantragsstellung bei Privatgebäuden und ab 2050 als Standard für alle Bestandsbauten im EU-Raum. Die Energiegewinnung wird auf erneuerbare Quellen vor Ort verlagert, beispielsweise über Solartechnik. Zudem wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung Pflicht. Beim Lüftungsvorgang überträgt sie ausströmende Wärmeenergie auf die frische Zuluft. Zusammen mit der verbesserten Dämmung der Gebäudehülle wird die herkömmliche Heizung endgültig überflüssig.

Weitere Neuheit: Stromintensive Lüftungsanlagen mit und ohne Wärmerückgewinnung werden seit 2016 von der Ökodesign-Richtlinie ErP bewertet. 2018 tritt eine weitere Verschärfung in Kraft, sodass Sie sich auf die Energieeffizienz der Lüftung verlassen können.
Quellen:
http://wohnungslueftung-ev.de/
http://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/niedrigstenergiegebaeude-2016-keine-vorgaben-mehr/150/3095/337294
http://blog.ostwestfalen.ihk.de/umweltenergie/2017/02/15/bmwi-und-bmub-legen-entwurf-zum-gebaeudeenergiegesetz-vor/
https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Neubau/Das-KfW-Effizienzhaus/index.html

Bildquellen:
Blogbanner: © Photo-Mix, CC0 Public Domain, pixabay.com
Produktabbildungen © creoven.de
EU: © weyo, fotolia.com
Solarhaus: © reimax16, fotolia.com




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